ABOUT
Maja Prochotta ist Malerin und Zeichnerin.
Sie lebt und arbeitet in München.
In ihren Arbeiten beschäftigt sich Maja Prochotta mit dem sichtbaren und unsichtbaren Leben im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und dem Unbekannten. Dabei faszinieren sie vor allem der Mikro- und der Makrokosmos im Übertritt vom Immateriellen zum Materiellen. Was passiert, wenn die Wissenschaft an ihre Grenzen stößt? Jede Zelle ein Makrokosmos, das unendliche Leben der Sterne.
Maja Prochotta wurde in eine Familie hineingeboren, in der kreatives Schaffen und Gestaltung selbstverständlich zum Alltag gehörten. Kunst, Wissenschaft und handwerkliche Präzision waren dabei eng miteinander verbunden und prägten früh ihren Blick auf die Welt.
Besonders beeinflusste sie ihr Vater, ein Gynäkologe, der sich in seiner beruflichen Arbeit intensiv mit mikroskopischen Strukturen beschäftigte. Die Welt der Zellen, ihre komplexen, dem bloßen Auge verborgenen Vorgänge und das meist fruchtbare Zusammenspiel von Ordnung, Veränderung und scheinbarem Chaos eröffneten ihr früh eine Perspektive auf Lebensprozesse, die weit über das unmittelbar Sichtbare hinausreicht. Spät in der Nacht, nach der Arbeit, zeichnete ihr Vater dann in kleine Bücher.
Eine ebenso prägende Erfahrung entstand durch die Schmucktradition ihrer Familie in Pforzheim. Sie hinterließ ihr eine besondere Liebe für Materialität, Präzision und für die stille Bedeutung, die ein Objekt für den Menschen tragen kann. Diese Haltung spiegelt sich auch in ihrer detailbewussten Arbeitsweise wider.
Gleichzeitig faszinierte sie die Gegensätzlichkeit dieser beiden Erfahrungsräume: hier die mikroskopische Welt der Zellen, in der aus unzähligen Wechselwirkungen komplexe Strukturen entstehen und Entwicklung durch Veränderung und Unvorhersehbarkeit möglich wird; dort die bewusste Setzung, Kontrolle und Präzision des menschlichen Gestaltens. Zwischen diesen Polen bewegt sich bis heute ihre künstlerische Praxis.
Ihr Studium im Künstlerisch-Ästhetischen Grafikdesign und spätere künstlerische Impulse, unter anderem durch Leiko Ikemura, erweiterten ihr gestalterisches und technisches Repertoire.
Während sie sich zunächst mit persönlichen und familiären Erfahrungen auseinandersetzte, verlagerte sich ihr Blick zunehmend auf übergeordnete Fragen von Wachstum, Verbundenheit und Entstehung und auf die Frage, wie sich Ordnung und Unvorhersehbarkeit innerhalb eines größeren Zusammenhangs begegnen. Welche Paradigmen entstehen daraus in Wissenschaft, Glaube und Mythologie, Spiritualität und Poesie? Wie begrenzt ist der Mensch in seiner Vorstellungskraft? Und wie lassen sich bestehende Glaubenssysteme hinterfragen, um neue Perspektiven zu eröffnen?
Heute richtet sich ihr praktisches Interesse auf die Sichtbarmachung des Unsichtbaren. Daraus entwickelt sie Arbeiten zu Themen wie existenziellen Sehnsüchten, Ursprungsprinzipien, Flora & Fauna, Kosmos, Symbolträgern und Mythologie.
Ihre künstlerische Arbeit bewegt sich ständig im Spannungsfeld detaillierter Präzision und Unvorhersehbarkeit. Mit ihrer Aquarelltechnik schafft sie gesetzte Rahmen, kann jedoch innerhalb diesen nicht jeden Schritt des Prozesses bestimmen. Materie, Zeit und physikalische Kräfte entwickeln eine eigene Dynamik, auf die sie beobachtend oder intervenierend reagiert.
Der Zufall wird dabei zur Entwicklung: Aus kleinen Abweichungen entstehen neue Strukturen und Ordnungen. Ähnlich wie in der Natur, wo Fortschritt aus dem Zusammenspiel von Ordnung, Variation und Chaos hervorgeht.
Ihre Arbeiten, vornehmlich Aquarellfarbe, Tinte und Edelmetalle auf Papier, beinhalten somit kleine, kontrollierte Versuchsräume, in denen Intention und Eigenbewegung des Materials zusammentreffen. Die Frage nach dem Göttlichen bleibt dabei offen, nicht als Erklärung, sondern als Möglichkeit, über Entstehung, Ordnung und die Grenzen menschlicher Kontrolle nachzudenken.
So entsteht ihre Malerei aus einem Spannungsfeld, das sie seit frühester Kindheit begleitet: zwischen der verborgenen Dynamik des Lebendigen und der Präzision menschlicher Gestaltung, zwischen Kontrolle und Hingabe, zwischen gesetzter Ordnung und dem, was sich ihrer vollständigen Kontrolle entzieht. In diesem Zwischenraum beginnt für sie der eigentliche künstlerische Prozess.

MAJA PROCHOTTA
I was born into a family with many artists and creators, so the arts have always been a natural part of everyday life. Even my father, a gynecologist, spent the evening hours at his microscope, after which he drew in little books. He always said: "You don't have to be an artist, you can always paint." So I decided to make everyday life beautiful and gave my interest to the decorative arts, to everyday things. This resulted in studying communication design. This path felt safe and predictable. And the aspect of doing something applied, practical, helping corresponded to my values and my nature at the time. But I always knew that I am actually an artist. And gradually the feeling of doing something practical turned into insignificance. After several strokes of fate and changes, I carefully began to take the right path and began to paint.
DRIVE
What drives me is the eternal question of visible and invisible life and my fascination with the micro and macrocosm. I saw this visualized through my father's cytological smears and the star systems - the great contrast and sameness therein. How limited are people in their imagination? What paradigms exist in belief and mythology, science, spirituality and poetry? Each cell a macrocosm, the infinite life of the stars.
WORK
I currently work primarily with watercolors and ink on watercolor paper. The paint is applied to the paper and flows to the designated spot until completely dry. Invisible forces move the color only through my impulse - a possibility that the incomprehensible, the coincidence, the divine has its finger in the pie. I paint intuitively and see my pictures as a visualization of the incomprehensible by acting like a messenger. All of my paintings are energetically charged.